Bergfahrt oder Umkehr ? Tag 2 der Reise
Bereits am Vorabend, unmittelbar nach der Ankunft setzte Regen ein und die Hoffnung, daß es am Morgen wieder trocken war, traf leider nicht zu. Der erste Blick nach dem Aufstehen ging in Richtung Himmel...schlechte Aussichten - es regnete noch immer. Blieb die Frage offen, die insgeheim hinter vorgehaltener Hand diskutiert wurde: Entscheidet der Franz sich für die Umkehr oder fahren wir den Berg hinauf ? Franz, der alles perfekt organisiert hatte, kam als letzter zum morgendlichen Frühstück und ließ sich nichts anmerken. Das eine oder andere Telefonat hatte er bereits geführt, um abzuklären, ob der Glockner befahrbar war oder nicht. Mit der Beantwortung der Frage aller Fragen wartete er schließlich bis alle zu Ende gefrühstückt hatten, bis er dann aufstand und mitteilte, daß der Glockner geöffnet war. Er rief zur Abstimmung auf, aber für alle war klar: Der Berg ruft! Auch wenn es freigestellt war umzukehren, hatten alle den Entschluss, die Hochalpenstraße zu bezwingen. So ging es denn auch gleich an die Traktoren, um zur nächsten Etappe zu starten. Lustig anzuschauen waren die 15er mit ihren aufgespannten Sonnenschirmen, die bei der geringen Fahrgeschwindigkeit sicher ein wenig Schutz boten.
Ölstand, Kühlwasser kontrolliert, ging es dann los und nach 12 KM erreichten wir die Mautstelle. Nach Zahlung der fälligen Maut durch unseren "Scout" ging das Abenteuer los.
Jeder konnte sein Tempo der Überfahrt selbst bestimmen. Es war verabredet, daß alle Teilnehmer um 13 Uhr in Heiligenblut eintrafen. Schwierig für uns, die Zeit einzuteilen, da wir ja zum ersten Mal - zumindest mit dem Traktor - die Strecke befuhren.
Hier waren diejenigen bevorteilt, die ein Verdeck am Traktor hatten - alle anderen waren dem Wetter ausgesetzt. Die schnellen 26er setzten hier an, die langsameren 15er hinter sich zu lassen. Das Überholen war am Berg ein Kinderspiel - allerdings nur im 4. Gang. Im 5. Gang erwies sich der 26er bereits bei geringen Steigungen als schlapp und er mußte stets bei Laune gehalten werden.
Nun denn - aufi geht`s!
Bei 1.800m ging dann der Regen in Schnee über. Für uns Nordlichter schon ungewohnt, da wir den Winter
nur noch mit Dauerregen definieren.
Kehre um Kehre erreichten wir immer größere Höhen. Klar, daß wir bei dem Wetter nichts von der Bergwelt sehen konnten, da alles in den Wolken hing.
So konzentrierte sich unser Blick auf die Straße und die Kehren. Irgendwie schien sich das Wetter auch geringfügig zu verbessern - zumindest was den Niederschlag anging. Aber Schneefall ist auch angenehmer als Regen ;-)
Auf Grund des geringen Verkehrs konnte man jedoch beliebig auf offener Strecke anhalten, und das Teilnehmerfeld an sich vorbeiziehen lassen - schließlich will der Fotograf ja alle bei diesem Event im Bilde festhalten. Nachfolgend war es dann auch wieder einfach, das Feld zu überholen.
Das Bild spricht für sich, der T84 bei der Auffahrt.
Am ersten Abzweiger am Fuscher Törl stellte sich die erste Frage - auffahren zur Edelweißspitze oder nicht? Nachdem jedoch einige vor uns die Auffahrt wagten, nahmen auch wir die Herausforderung an.
Beeindruckend waren die noch vorhandenen Schneewände links und rechts der Fahrbahn. Die Fahrbahn erwies sich als gut mit Salz versorgt.
Auch Thomas war sichtlich begeistert von diesem Erlebnis auf dem 26er. Eigentlich eingefleischter Eicher-Fahrer, genoss auch er jeden Meter der Ausfahrt.
Nach einigen Kurven erreichten wir die auf 2.571m Höhe gelegene Edelweißspitze. Nach den obligatorischen Beweisfotos ging es dann an die erste Abfahrt...wie sagt der Norddeutsche ? Immer schön "sutsche" auf dem nassen Basalt-Pflaster.
Nach kurzer Weiterfahrt erreichen wir das Hochtor - Sicht miserabel. Langsam ging es dann bergab und das Wetter besserte sich weiter. Hier sehen wir Thomas (li.) und den Schreiber dieser Zeilen (re.) - die beiden Erstbezwinger mit dem Traktor. Erstaunlich, wie gut die alten Traktoren die Belastung vertrugen.


In Heiligenblut angekommen, warteten wir auf alle Teilnehmer. Bei der Einfahrt in den Ort gab es einen Massenauflauf der Touristen, die von dem Anblick der vielen Traktoren beeindruckt waren - Momente, die wir Schlepperfahrer gerne über uns ergehen lassen :-)
Im Zuge der Weiterfahrt wurden wir aufmerksam auf einen Streifenwagen der Polizei, der neben einem Traktor stand. Was wie eine Kontrolle aussah, entpuppte sich als Hilfeleistung, denn eines unserer Schäfchen war ausgebrochen und nicht wie verabredet am Treffpunkt erschienen. Der freundliche Polizist hatte den vermissten Traktoristen ein paar Kilometer weiter auf Bitten unseres Scouts ausfindig gemacht. Aber nicht nur das - er erwies sich ebenfalls als Traktorist mit landwirtschaftlicher Nutzung. Da gab es ein großes "Hallo" und natürlich ein Erinnerungsfoto mit Traktor!
Bei zunehmenden Aufheiterungen ging es dann in Richtung Obervellach, unserem nächsten Etappenziel.
Am Abend dort eingetroffen, galt es nochmals die Tanks aufzufüllen, bevor es in die Unterkunft ging.
Nach einer schnellen Dusche, ging es dann zum gemütlichen Teil über. Der Wirt unseres Gasthofes empfing uns bereits mit einem Schnaps und die Nachbarn standen am Parkplatz Spalier, um sich die Verrückten anzuschauen. Nach dem Essen gab es dann noch einen kurzen offiziellen Teil, in welchem die offiziellen Pickerl, die eigens für die Glocknerüberquerung zur Erinnerung gefertigt wurden, an die Fahrer ausgehändigt wurden. Glücklich und zufrieden fielen wir müde ins Bett, um für das Highlight des nächsten Tages gewappnet zu sein - Auffahrt nach Mallnitz und Bahnverladung.
Bahnverladung und Gasteinertal